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Buchenwald- eine Erinnerungsfahrt mit Zeitzeugen

Wie bringt man Jugendlichen näher, was die Geschichte uns lehrt?

Wie kann Schule dazu beitragen, die Gräuel der Geschichte nicht zu wiederholen und ein Bewusstssein für die Verantwortung des Einzelnen zu schaffen?

Wie können Schülerinnen und Schüler erleben, dass "die alten Geschichten" tatsächlich etwas mit ihnen zutun haben?

Seit vielen Jahren unternehmen wir mit unseren Abschlussklassen eine Erinnerungsfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald. Das Konzept geht auf die Initiative unseres früheren Kollegen Harald Heiligenthal zurück, der bis heute mit ungebrochenem Engagement die Fahrt begleitet.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Begegnung mit dem Zeitzeugen Aresh Hersh in Buchenwald, der trotz seines hohen Alters die Reise von Liverpool auf sich nimmt, um den Schülerinnen und Schülern am Ort des schrecklichen Geschehens ein persönliches Bild der Vergangenheit zu geben. Es gelingt ihm immer wieder, auf anschauliche Weise die Grauen der Judenverfolgung im Dritten Reich darzustellen.

Die betroffenen Berichte der Teilnehmer/innen zeigen: Wer mit Arek Hersh an den Grundmauern der Kinderbaracke gestanden hat wird das nie vergessen.

Die Fahrt nach Buchenwald wird von einer ausführlichen Vorbereitung im Geschichtsunterricht und einem Vortrag von Harald Heiligenthal eingeleitet. Den Abschluss bildet die Nachbereitung am Tag nach der Fahrt, bei der Arek Hersh Fragen beantwortet, sein Buch signiert aber auch gerne mit Schülerinnen ein Foto macht.

 

 

 

 

Impressionen

Das "kleine Lager"- Reste der Kinderbaracken
Harald Heiligenthal erläutert den Transport der Menschen ins Lager
Die Bodenplatte misst 37°- Die Körpertemperatur eines jeden Menschen!
Arek Hersh berichtet bewegend am Ort des Grauens

Der persönliche Bericht einer Schülerin:

Am 08.05.2018 fuhren wir, die Klassen R10, H9 und G9, in die Gedenkstätte Buchenwald.
Um 05:00 Uhr morgens fuhr die erste von zwei Gruppen mit insgesamt über 150 Schülerinnen und Schülern los, um 09:00 kamen wir in Buchenwald an. Wir hatten alle schon ein sehr mulmiges Gefühl, als wir den Ettersberg in Richtung Buchenwald hinauf fuhren. Als wir dort ankamen, wurden wir von Herrn Heiligenthal begrüßt und lernten Arek und Jane Hersh kennen.
Zuerst wurden uns von Herrn Heiligenthal an einer Informationstafel einige Informationen mitgeteilt und wir bekamen einen kurzen Überblick. Auf dem Weg zum Lager kamen wir am Bahnhof vorbei, wo die Gefangenen angekommen waren. Als wir das Eingangstor zum Lager sahen, hatten wir etwas Angst und ein unwohles Gefühl. Ich hatte in diesem Moment echt Angst, weil ich an die Menschen von damals denken musste.
Danach wurde uns an einem Lagermodell vom Konzentrationslager Buchenwald erklärt, wo welche Gebäude standen oder heute noch stehen.
Anschließend gingen wir in einen Raum, der so ähnlich aussah wie ein Pferdestall. Das war der Bunker mit den Arrestzellen, ein langer Gang mitten im Raum, links und rechts ganz kleine Kammern, die nur mit einem Holzbett ausgestattet waren. Hier wurden zahlreiche Menschen zu Tode gefoltert.  Man konnte das nicht so wirklich realisieren, wie das damals zugegangen sein muss, wenn die Menschen in den Kammern gefoltert wurden. Es war echt ein komisches Gefühl, nach so vielen Jahren diese Räume zu betreten und als ich dann realisiert habe, dass in den Kammern auch Menschen gestorben sind, konnte ich nicht mehr in diesem Raum bleiben und musste raus.
Nach der Besichtigung des Bunkers gingen wir durch das Lagertor in die Gedenkstätte hinein und standen dann direkt auf dem Appellplatz. Am Eingangstor lasen wir die Inschrift „JEDEM DAS SEINE“ und es fiel uns die Uhr auf, die immer noch genau die Zeit anzeigte, als am 11.04.1945 das Lager befreit wurde.
Vom Appellplatz aus hat man heute einen freien Blick über das ganze Lager. Die ganzen Baracken wurden abgerissen. Ihre Standorte sind heute durch schwarze Steine gekennzeichnet.
Auf dem Appellplatz ist eine silberne Platte in den Boden eingelassen. Diese Platte hat immer genau 37°C. 37°C soll die Körpertemperatur aller Menschen symbolisieren. An diesem Platz, wo sich diese Platte befindet, wurden tausende Menschen ermordet. Wir durften alle auf diese Platte einmal drauf fassen und für mich hat es sich so angefühlt, als wenn ich in der alten Zeit wieder drinnen bin. Ich habe dann die ganze Zeit an die Menschen denken müssen, die an dieser Stelle ermordet wurden. Das Gefühl, als ich auf die Platte gefasst habe, war echt seltsam, weil ich mich irgendwie mit den Opfern von damals verbunden fühlte.
Dann hatten wir etwas Zeit, uns das Gelände anzusehen. Von den Baracken ist nichts mehr übrig. Die Grundrisse sind dennoch vorhanden. Ich kam mir vor, als ob ich auf einem Grab herumlaufen würden. Ich musste die ganze Zeit daran denken, wie viele Menschen auf diesem Platz leiden mussten, wir alle waren in diesem Moment sehr nachdenklich. Auf einem Grundriss einer Baracke stehen viele Steine, sozusagen Pfosten. Jeder Pfosten bedeutet ein KZ. Ich hätte niemals gedacht, dass es so viele Konzentrationslager gab. Als ich die Anzahl der Pfosten gezählt hatte, war ich darüber total schockiert.
Nach ca. 15 Minuten trafen wir uns als Gruppe am ehemaligen Kinderlager. Dort wurde uns erzählt, dass die Wachleute die Kindern wie Tiere behandelt hatten und sie nur einmal morgens und abends auf die Toiletten durften. Dies alles erzählte uns Arek Hersh, einer der Überlebenden des Kinderlagers der damaligen Zeit. Er erzählte auch, dass die Kinder damals immer Hunger hatten. Wir waren alle sehr betroffen von der Lebensgeschichte. Vielen standen Tränen in den Augen. Wenn ich mir heute vorstelle, so wie damals leben zu müssen, dann könnte ich das nicht. Ich hätte so große Angst, irgendwas falsch zu machen und dann erschossen zu werden.
Danach liefen wir auf die andere Seite der Anlage zum Krematorium. Bevor die Leichen verbrannt wurden, hatte man sie im Selektionsraum ausgeplündert, die Kleidung ausgezogen, Goldzähne herausgebrochen, manchmal auch Organe für Versuchszwecke entnommen. Auch wenn man heute „nur“ noch Geräte sieht, war der Anblick sehr schlimm. In einem weiteren Raum sah man Gedenktafeln für die zahlreichen Verstorbenen. Wir gingen weiter in den Verbrennungsraum. Dort wurden die Leichen verbrannt. Der Ofen, worin die Toten verbrannt wurden lief oft Tag und Nacht durch, weil es einfach so viele tote Menschen gab. Als ich so daran gedacht habe, dass in den Öfen, vor uns tausende Menschen verbrannt wurden, lief es mir eiskalt den Rücken runter. In diesem Krematorium gibt es auch einen Keller, dort wurden die Leichen gelagert. Die toten Körper wurden einfach über eine Rutsche in den Keller geschupst, um sie dann über einen Aufzug in den Verbrennungsofen zu transportieren. Als ich in diesem Raum stand, hatte ich das Gefühl, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und ich war in diesem Raum total nervös, weil ich mir die ganze Zeit dachte, dass hier Leichen gelagert wurden.
Außerhalb der Anlage, in denen die Menschen gefangen gehalten wurden, gab es ein Haus, wo die Insassen eigentlich zum Arzt sollten. So sagte man das den Gefangenen, dies war aber nicht so. Dieses Ärztehaus war einfach nur ein weiteres Tötungshaus. Die Gefangenen wurden dort hingeschickt. Dort mussten sie sich anmelden und sollten dann vermessen werden. Während sie dann mit dem Rücken zur Wand standen, um vermessen zu werden, wurden sie hinterrücks erschossen.                                         
Nachdem uns das alles erzählt worden war, gingen wir weiter ins Museum. Dort sind Gegenstände der Gefangenen von damals ausgestellt und auch alte Registrierungsunterlagen der Gefangenen.
Nach dem Besuch im Museum besichtigten wir Weimar und sind dann schließlich um 19 Uhr wieder in Reinheim angekommen.
Wir alle fanden es größtenteils beängstigend, diesen Ort heute zu besichtigen. Man kann gar nicht wirklich realisieren, wie das damals alles abgelaufen ist. Man hat im Unterricht oder im Fernsehen schon viel über Konzentrationslager gehört, aber einen wirklichen Eindruck erhält man erst, wenn man dort steht. Schwer zu begreifen ist, dass es Menschen gab, die anderen Menschen so viel Leid zufügten. Welche Ängste und Qualen die Gefangenen aushalten mussten, kann man nur erahnen. Jeder sollte einmal ein KZ besuchen. Wir hoffen alle, dass sich so etwas nie wieder wiederholt.
Ich persönlich finde, dass der Besuch ein Erlebnis war, dass ich niemals vergessen werde, weil an diesem Ort einfach so viele Menschen ihr Leben lassen mussten und nicht viele Menschen überleben konnten, weil sie entweder ermordet wurden oder einfach verhungert sind.
Bei der Nachbereitung am Mittwoch beantworteten die Eheleute Hersh und Herr Heiligenthal unsere zahlreichen Fragen. Bei vielen meiner Mitschüler haben sich Fragen erst nach der Fahrt in die Gedenkstätte ergeben. Für sehr viele meiner Mitschüler war diese Veranstaltung eine sehr emotionale Erfahrung, bei einigen flossen sogar Tränen. Am Ende kauften zahlreiche Schüler das Buch von Arek Hersh und machten mit ihm ein Foto.
Für alle von uns wird das ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Ich persönlich werde das auch niemals vergessen.

Hannah Beck, Klasse R10b
DKSS Reinheim

Verleihung des Robert Goldmann Stipendiums

Am Dienstag, den 23.05.2017, fand die Fahrt nach Weimar statt. Dort besuchten wir die Gedenkstätte Buchenwald, daraufhin wurde am nächsten Tag die Nachbesprechung des Besuches organisiert. Die Nachbesprechung dauerte ungefähr zwei Stunden. In den zwei Stunden hatten Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, Fragen an Arek Hersh, (ein Überlebender des Holocaust) zu stellen. Die Schüler haben gute, interessante aber auch persönliche Fragen gestellt. Trotz dessen, beantwortete Herr Hersh alle Fragen ehrlich und ohne Probleme. Dass er so offen darüber reden kann, ist sehr zu respektieren, denn nur er weiß wie es wirklich ist, so etwas Grausames zu erleben. Die Schule macht diesen Ausflug seit mehr als 20 Jahren und deswegen fand nach der Besprechung noch die Verleihung des Robert Goldmann Stipendiums statt. Herr Heiligenthal hielt zuerst eine Rede über diese Fahrt und er bedankte sich dafür bei mehreren Leuten, die dafür sorgen, dass dieser Ausflug stattgefunden hat. Herr Arek Hersh hielt danach auch eine Rede über seine Erlebnisse, die für manche auch emotionell wurden. Am Ende bekam die Schule eine Urkunde die persönlich von Arek Hersch übergeben wurde. Herr Cwielong bedankte sich zum Schluss bei jedem, der bei dem Ausflug teilgenommen hat. Die Schule hofft, dass dieser Ausflug noch mehrere Jahre weitergeführt wird und genauso gut klappt wie bisher.

Dragos Ficut Klasse H10